Glaukom und Optometrie

«Als Glaukom bezeichnt man eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv unwiderruflich geschädigt wird. Als Hauptrisiko gilt ein erhöhter Augeninnendruck, welcher aber nicht immer bei einem Glaukom vorhanden sein muss. Die Hauptsymptome, welche Glaukompatienten erleiden, sind eingeschränkte Gesichtsfelder und damit verbundene Sehstörungen.»

Die Basisuntersuchung in einer Optometrie-Praxis sollte mindestens folgende drei Punkte beinhalten: Anamnese, Papillenuntersuchung und Augeninnendruckmessung (wenn möglich mit zentraler Hornhautdickenmessung, CCT)

Anbei eine Scanning Laser Ophthalmoskop (SLO) Aufnahme einer glaukomatöser Papille:

Dank der Anamnese können familiäre bzw. gesundheitliche Risiken hervorgestrichen und in der Untersuchung berücksichtigt werden. Mit der Augeninnendruckmessung filtern wir Patientinnen und Patienten mit deutlich zu hohem Augeninnendruck heraus - mehr aber nicht! Die mit Abstand wichtigste Untersuchung ist die Papillenbeurteilung. Dies wird und wurde in der "traditionellen Augenoptik" viel zu oft falsch verstanden und gehandhabt, denn ein nicht zu unterschätzender Teil der Glaukompatientinnen und Glaukompatienten haben einen unauffälligen Augeninnendruck und können somit mit einer reinen Augeninnendruckmessung nicht herausgefiltert werden. Aus diesem Grund ist für jede Optometristin und jeden Optometristen die Papillenbeurteilung der mit Abstand wichtigster Bestandteil einer Glaukomuntersuchung - nicht die reine Augeninnendruckmessung!


Zusätzlich zu den bereits beschrieben Untersuchungselementen sollte eine Gesichtsfelduntersuchung in der Optometrie-Praxis durchgeführt werden können. Anbei ein Gesichtsfeldausdruck eines Glaukompatienten:


Die Wichtigkeit einer OCT-Untersuchung (hintere Augenabschnitt mit Papille und Makula) beim Glaukom-Screening darf nicht über-, aber auch nicht unterbewertet werden:

- Das Risiko einer Überbewertung besteht, wenn man sich zu sehr auf die Computerauswertung der Geräte verlässt. Einige „Glaukomrisiken“, die im OCT auftreten sind unter Umständen keine echten Risiken, beispielsweise wenn der Sehnerv schräg ins Auge eintritt und somit eine vermeintliche Verdünnung der RNFL vorliegt. Hier ist es wichtig, dass die beurteilende Person ihr Gerät, sowie dessen Stärken und Schwächen, kennt.

 

- Das Risiko einer Unterbewertung sehe ich bei der Früherkennung eines möglichen Glaukomverlaufs. Gerade beim Normaldruckglaukom ist die langsame Veränderung der Papille, auch für Glaukomspezialistinnen und -spezialisten, teilweise sehr schwierig. Hier sehe ich eindeutig die Verlaufsanalyse eines OCTs oder eines Perimeters, als ergänzende Untersuchungsmethoden, als grossen Vorteil.

Mit einer Vordersegment-OCT-Untersuchung kann die Grösse des Kammerwinkels gut dokumentiert werden:

Eine Alternative für die Kammerwinkelbeurteilung ist die "van Herick-Methode" mittel Biomikroskopie. Als klinischer Goldstandard gilt die Gonioskopie, welche hoffentlich auch langfristig Einzug in die klinische Optometrie Einzug halten wird.

Zum Schluss erlauben Sie mir einige Gedanken zum Zeitmanagement bei einer Glaukom-Vorsorgeuntersuchung. Für die meisten Optometrie-Praxen ist ein „zeitsparender Ablauf“ von grosser Bedeutung. Hier wird verständlicherweise ein Ablauf von Anamnese, Tonometrie/Pachymetrie-Messung und einer computergesteuerten OCT-Aufnahme bevorzugt. Da es aber nicht einfach „das Glaukom“ gibt, kann diese Fragestellung nicht einfach technisch abgewickelt werden. Genauso wichtig ist eine professionelle Papillen- und Retina-Untersuchung (Schlagwörter: Blutungen, Blutgefässanalyse, Durchblutungsstörungen, Makula-Check) und eine computergestützte Perimetrie, bei welcher die untersuchte Person während der Dauer der Untersuchung richtig instruiert und motiviert werden muss. Somit ist vielleicht die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung die mit Abstand komplexeste Herausforderung in der klinischen Optometrie. Eine professionelle Zusammenarbeit und offene Kommunikation mit den ophthalmologischen Partnern ist unabdingbar.

Andreas Tsiounis, M.Sc.

 
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